Montag, August 11, 2008

Nichts Tragisches. Nichts Weltbewegendes.

Umso länger ich auf diesen Zeitungsständer starrte, desto besser verstand ich die Worte meines Lieblingskollegen. Fast fünf Minuten hatte er geopfert, um mir einen Vortrag über Wartezimmer zu halten. Und über Zeitschriften in Wartezimmern. Wie grässlich die doch wären. Wie langweilig und grauenerregend. Ich für meinen Teil stecke ja mal ganz gern meine Nase in die Bild der Frau. Nicht, weil ich die Geschichten spannend finde. Sondern weil sie mich wieder jung fühlen lässt. Herrlich.

Eigentlich hatte ich immer gedacht, dass jedes Wartezimmer seine Patienten mit alten Zeitschriften quält. Aber dieses Wartezimmer… es war ein Albtraum. Neben dem ADAC Motormagazin hatte ich die Auswahl zwischen dem ADAC Motormagazin und dem ADAC Motormagazin. Ja wunderbar. Als wenn ich die nicht auch zu Hause hätte. Noch nie habe ich in einer Ausgabe mehr als den Burger King Gutschein gelesen. Und selbst das mache ich nicht regelmäßig. Meist sind diese verfluchten Dinger dann auch schon abgelaufen, wenn ich solch ein Magazin durchblätterte. Es gibt wirklich spannendere Dinge, mit denen ich Zeit todschlagen kann.

Mit dem Handy in der einen- und der Bild Zeitung meines Kollegen in der anderen Hand, versuchte ich das Beste aus dieser verzweifelten Situation zu machen. Irgendwie mussten sich diese beiden Gegenstände doch kombinieren lassen. Was in Videospielen klappt, muss einfach auch im realen Leben funktionieren. Und jetzt hatte ich endlich mal die Gelegenheit (Und Zeit!), das unter Beweis zu stellen. Wie lange ich auf diesen Augenblick gewartet hatte….endlich würde ich das ZeitungHandydings erfinden, von dem ich so lange geträumt hatte.

Ich hatte gerade die Akkuklappe meines Handys mit Zeitungspapier umwickelt, da sprang die Tür auf und die Krankenschwester rief meinen Namen. Na toll. Ausgerechnet jetzt, wo meine kreative Ader auf Hochtouren lief. Leicht nörgelig folgte ich ihr in einen dunklen, langen Gang. An den Wänden hingen eigenartige Poster, die Enten in allen Lebenssituationen zeigten. Ich kann nicht beschreiben weshalb..aber irgendwie machte mir da Angst.

Durch die Tür vor mir konnte ich das Gespräch zwischen dem Arzt und einer Patientin belauschen. Watte hatte sie sich ins Ohr gesteckt. Warum weiß ich nicht. Aber nun steckte die Watte fest. Seit gut drei Wochen war sie verschollen. Hatte sich in den tiefsten Ohrwindungen verkrochen und dort eine gewaltige Entzündung angezettelt, die über ihr ganzes Gesicht strahlte. Hmm…so mag ich Arztgespräche.

Na zumindest verlief meins viel entspannter. Der Arzt war nett und mein Ohr einfach nur verstopft. Nichts Tragisches. Nichts Weltbewegendes. Aber warum schreien neuerdings alle Leute so am Telefon?!!

2 Comments:

At 12. August 2008 um 13:52, Blogger Man in Metropolis said...

*LoL

Klasse.

 
At 13. August 2008 um 17:38, Blogger Melli said...

@MiM

Danke ;)

 

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