Donnerstag, April 12, 2007

Nichts als Stille

Nun ist es soweit. Mein Urlaub ist fast vorüber und noch immer habe ich es nicht geschafft, die passende Urlaubsstimmung zu entwickeln. Ich kann noch gar nicht glauben, das ich gestern tatsächlich zur Arbeit gefahren bin. Doch ich kann jeden, der nun fassungslos mit dem Kopf schüttelt, beruhigen. Ich legte diese Strecke nicht zurück um mir einen Fingernagel an der Tatstatur abzubrechen. Ich war gefahren um etwas entgegen zu nehmen, auf das ich schon so lange sehnsüchtig gewartet hatte.

Trotz morgendlicher schlechter Laune schwang ich mich bereits zu früher Stunde in mein Auto. Es ist erstaunlich wie lang sich 30km hinziehen können, wenn man überhaupt nicht zum Autofahren aufgelegt ist. Plötzlich ist jede Ampel rot. Und jede Schranke befindet sich in der Waagerechten. Die sonst so alltägliche Strecke erscheint so lang wie nie zuvor. Und doch kommt man irgendwann an sein Ziel.

Ich schaute nicht schlecht, als mir schon von weitem die großen Fahnen ins Auge fielen. Ich kannte sie. Viel zu oft hatte ich sie in der Vergangenheit gesehen. Meist morgens früh und das im Zusammenhang mit Menschen in weißen Plastiktüten. Menschen, die sich bereits um 06:45Uhr um wehrlose Autofahrer scharen, nur um ihre Flyer zu verteilen. Ich habe schon lange begriffen, das sie ausweichen, wenn man bis auf die letzte Sekunde keinen Gebrauch von der Bremse macht. Leider ziehen sie noch zu viele in ihren Bann.
Die Rede ist selbstverständlich nicht von einer allseits bekannten Religionsform und ihrem Leuchtturm. Nein..ich rede von Gewerkschaftsmitgliedern. Eine kleine Gruppe von Menschen, die an manchen Tagen wie von der Tarantel gestochen umher laufen und einen mit ihren Plakaten erschlagen. Zum Glück waren an diesem Morgen nur noch ihre Fahnen übrig geblieben. Die letzten Relikte eines verlorenen Kampfes….

Ich halte nicht sehr viel von ihnen. Und das liegt nicht daran, dass einem bei Eintritt in die Gewerkschaft eine Miniatur Kaffeetasse in ekel grün geschenkt wurde. Während am Tag des Einschreibens alle wie will zu den Formularen griffen, blieb ich regungslos auf meinem Stuhl sitzen. Fünf Prozent meines Gehaltes und dafür eine einzige Kaffeetasse…. Nein, das war es mir nicht wert. Darüber hinaus hätte sie auch nicht zu meiner Sammlung gepasst.

Aber nun wieder zurück zu meiner Geschichte. Ich hatte wahre Bedenken, ob ich meinen Chef überhaupt finden würde. Da ich mich im wohl verdienten Urlaub befinde bekomme ich Streitereien innerhalb des großen T´s nicht mit. Eigentlich möchte ich sie auch gar nicht mitbekommen. Doch in diesem Fall war es anders. War die morgendliche Fahrerei umsonst gewesen? Ich hatte gerade meinen Wagen geparkt, da hörte ich die Stimme des Radiomoderators .Er erzählte, dass das große T in Oldenburg an diesem Morgen streiken würde. Juhu. Das hätte er wirklich zehn Minuten früher erzählen können.

Leicht grummelig stieg ich aus dem Wagen und schlich über das Gelände. Ich musste vorsichtig sein. Auch wenn ich keine Männer in weißen Plastiktüten sehen konnte. Vielleicht konnten sie mich sehen. Vielleicht beobachteten sie mich und warteten nur noch auf den richtigen Zeitpunkt um aus den Gebüschen zu springen. Ich müsste gar nicht erst um Hilfe rufen. Denn kaum hätte ich mich zu wehr gesetzt, schon hätte ich einen Anstecker an meiner Jacke hängen. Und das auch noch mit der lustigen Aufschrift: I (Herzchen) Streiken.

Zu meinem Glück kam ich sicher am Büro meines Chefs an. Und noch glücklicher war ich, als ich meinen Chef an seinem Schreibtisch entdeckte. Ohne große Worte drückte er mir die Papiere in die Hand, auf die ich so lange gewartet hatte. Doch..irgendetwas stimmte nicht. Es ging nicht um die Papiere, die ich in meinen Händen hielt. Es hatte auch nichts mit meinem Chef zu tun. Manchmal überkommt einen das Gefühl, dass man nicht so richtig weiß, was man sagen soll. Man möchte sich einfach nicht mitteilen. Ich kann es nur schwer beschreiben, doch genau dieses Gefühl überkam mich in diesem Augenblick. Ich verstand es nicht. Wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet. Nun war es endlich soweit…doch anstelle von vielen Fragen und tausend Worten sprudelte nichts als Stille aus meinem Mund.

In meinen Gedanken Kopfschüttelnd und mit einem gezwungenen Lächeln auf meinen Lippen bedankte ich mich und verließ den Raum. Irgendwie bin ich enttäuscht von mir selbst.

1 Comments:

At 12. April 2007 um 21:49, Blogger Stefan said...

Hohoho, nicht übel was da nun abgeht. Kaum zu glauben. Naja, wenn man den ganzen Tag im Krankenhaus herumrennt, kriegt man von derartigen Radio Botschaften leider nichts mit.

Auch ich habe erstmal den Kopf geschüttelt, als ich gelesen hab, dass du im URLAUB zur "Arbeit" fährst. Da ist mir eingefallen, dass ich das vor einem Jahr auch mal gemacht habe :D
Ging ja um die Prüfungssache....

Tja, ist immer wieder bedrückend wenn man sich in einer Zeit des Wandels behaupten Muss und seinen Weg finden.

 

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