Donnerstag, März 01, 2007

Ganz neues Territorium

Ist es nicht verwunderlich, wie langsam die Zeit voran schleicht, wenn man auf etwas ganz Besonderes wartet? Ich hatte mich mit meinen alten Kollegen zum Bosseln verabredet. Eine Sportart, die ich bisher lediglich von meinem Auto aus beobachtet hatte. Viel zu oft musste ich in der Vergangenheit wegen irgendwelchen dahergeflogenen Kugeln und/oder Männern eine Notbremsung auf dem rauen Asphalt hinlegen. Immer wieder habe ich dabei wie ein Rohrspatz geflucht, was denn solche Menschen auf öffentlichen Straßen zu suchen hätten. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich ja noch nicht ahnen, das auch ich eines Tages in den Genuss dieser ausgefallenen Sportart komme.

Da ich mich mit der Zusage zu diesem Event in ein ganz neues Territorium vorwagte, versuchte ich im Vorfeld ein paar Informationen aus dem Internet heraus zu filtern. Schließlich empfand ich es als überlebensnotwendig zu erfahren, worauf ich mich da eingelassen hatte.

Es dauerte nicht lange, bis ich auf eine spannende Dokumentation des Norddeutschen Fernsehens stieß. Ich bin mir durchaus bewusst, das allein diese Senderbezeichnung abschreckend wirkt. Und auch auf mich hat sie diese Wirkung. Doch dieses Filmchen überzeugte mich so sehr, das ich 15 Minuten wie festgeklebt vor dem Monitor verbrachte. Wie versteinert verfolgte ich angespannt die Bewegungen von Herren im fortgeschrittenen Alter.

Herren, die wie von Sinnen mit einer Kugel umherschleuderten, sich dabei fast lang auf den matschig-nassen Boden legten und anschließend im Kollektiv, wie von der Tarantel gestochen, laut schreiend hinter der Kugel her rannten. Also wenn das nicht spaßig aussah, dann komme ich auch nicht mehr weiter. Eines war auf jedenfall sofort klar, ich wollte es ausprobieren. Mit allen seltsamen und für mich so fremden Ritualen, die da scheinbar auf mich zukamen.

Allein die Vorstellung, das erste Mal in meinem Leben echten Norddeutschen Grünkohl zu essen, weckte eine Neugier in mir, die unbedingt gestillt werden musste.
Als geborene Neusserin kenne ich schließlich nur den Genuss von echtem Sauerbraten mit Rosinen...

Als es endlich so weit war, erkannte ich schnell, das ich überhaupt nicht vorbereitet war. Ich konnte doch nicht wissen, wie schlecht sich eine weiße Jacke in der matschigen Welt der Bossefreunde macht. Darüber hinaus kam ich recht schnell zu der Erkenntnis, das ich definitiv die falschen Schuhe ausgewählt hatte. Was im Internet asphaltiert aussah, erwies sich in Wirklichkeit als eine überdimensionale Schlammpfütze.

-> Ein wahres Paradies für das männliche Geschlecht, welches auf Schlammcatchende Ladys steht.

-> Eine wirkliche Herausforderung für eine Melli mit dem wirklich danebengegriffenen Outfit.

Ich kann mir nicht erklären, wie es geschafft habe mich nicht dreckig zu machen. Doch auch wenn es unglaublich klingen mag, bis auf meine Schuhe musste nichts unter den unerwarteten Verhältnissen leiden. Aber nun gut. Was als Schlammpackung für das Gesicht gut ist, kann schließlich auch für das Schuhwerk nicht verkehrt sein *schmunzel*

Ich würde mir niemals den Spaß durch ein falsch gewähltes Outfit verderben lassen. Und auch wenn ich kein Naturtalent war, so schlug ich mich nach Anfangsschwierigkeiten doch recht gut. So gut, das es letztendlich sogar für den zweiten Platz reichte! (Nein, es gab nicht nur zwei Teams... es waren acht. <-- Punkt)
Hm.. ob es daran lag, dass ich den Europameister des Bosselns in meinem Team hatte..?! Nein.. das kann ich mir nicht vorstellen ;-)

Fakt ist, das es wirklich riesigen Spaß machte, und ich mich immer wieder in das Territorium der Bosselfreunde vorwagen würde. Nur mit dem Unterschied, dass ich beim nächsten Mal mein Handtäschchen zu Hause lassen werde. Auch wenn es jeder der harten Jungs unbedingt einmal an sich nehmen wollte, es gibt Dinge die wirklich nicht in bestimmte Gebiete gehören und lieber im Auto warten sollten. Dabei stehen Handtaschen mit magentafarbenen Plüschnilpferden mit Herz am Po ganz oben auf der Liste..... *lach*

4 Comments:

At 2. März 2007 um 10:37, Anonymous Man in Metropolis said...

MiM auch schon mal öfters dieses Spiel gespielt ... was für ein Spaß.

Was ist eigentlich mit der Auswertung zu Deiner Umfrage?

 
At 2. März 2007 um 21:55, Blogger Melli said...

@MiM
Dieser Spaß ist bis an das andere Ende von Deutschland vorgedrungen..?! Hm.. scheinbar besitzen junge Neusserinnen eine größere Bildungslücke, als ich es mir vorgestellt hatte.... ;)

Aber irgendwie kann ich mir MiM nicht beim ausüben dieser Sportart vorstellen.... *schmunzel*

 
At 3. März 2007 um 08:19, Blogger Man in Metropolis said...

Vorgdrungen !?!? MiM ein Norddeutscher Jung ist...

 
At 3. März 2007 um 12:36, Blogger Melli said...

@MiM
Also jetzt überrascht Du mich wirklich. Weit weniger als das Bosseln konnte ich mir einen MiM mit norddeutschen Wurzeln vorstellen... ;) Verrätst Du mir, aus welcher Ecke Du ursprünglich stammst...?

 

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