Donnerstag, Januar 18, 2007

Stolpersteine

Ich hatte mir Herrn B. irgendwie anders vorgestellt. In meiner Fantasie malte ich mir einen leicht molligen Herrn aus. Vielleicht Ende 40 mit einem Schnurrbart, knappen Haupthaar und blauem Pullover. Wahrscheinlich hatte ich mich zu sehr von seinem Namen blenden lassen. Ein Herr mit dem Namen einer Freizeitbeschäftigung musste doch schließlich auch so aussehen. Ich für meinen Teil sehe aus wie mein Nachname *schmunzel*

Bisher kannte ich lediglich die Stimme des besagten Herrn. Wir hatten uns in der vergangenen Woche über zwei Kollegen kennen gelernt. Zwar wusste ich nicht viel über ihn... Doch das er kein Mann der vielen Worte sein würde, war mir bereits nach dem ersten Gespräch klar. Selbst nach drei Telefonaten wusste ich noch immer nichts über den Aufenthaltsort dieses Mannes.

Wie ich ihn letztendlich gefunden habe? Nun, ich würde es als Zufall bezeichnen.

Nachdem ich heute im strömenden Regen feststellen musste, das die Batterie meines elektronischen Türöffners den Geist aufgegeben hatte, kreuzten sich meine Wege mit einem Mann mittleren Alters. Schimpfend erzählte ich ihm, wie lange ich denn schon draußen im Regen stehen würde. Das Türöffner immer in den unmöglichsten Situationen kaputt gehen würden und weshalb man die Türen zu diesem Glaswürfel nicht altertümlich mit einem Schlüssel öffnen könnte. Dazu muss ich noch anmerken, das ich nicht über ihn geschimpft habe, sondern über die sparsam ausgefallenen Wetterverhältnisse ;-)

Eigentlich hatte ich mit einem "Ja.. das kenne ich.." gerechnet. Doch alles was er mir entgegen brachte war ein leicht gezwungenes Lächeln und die Frage, ob ich ihn suchen würde. Verdutzt sah ich in seine Augen.

"Nun, wenn sie Herr B. sind...."

An seinem vorzeitigen Nicken erkannte ich schnell, das ich seit 10 Minuten mit dem Mann schimpfte, der mir in komplexen, digitalen Telefontechnikfragen auf die Sprünge helfen sollte. Na das fing ja schon mal toll an.

Nachdem ich ihm in sein Großraumbüro gefolgt war und mich noch einmal für die vielen schlimmer Worte entschuldigt hatte, berichtete ich ihm von meinen Sorgen bezüglich CTI.
Ich hatte extra für diese Situation einen Fragenkatalog vorbereitet. Hatte den kompletten, vergangenen Nachmittag genutzt, um mir das nötige Fachwissen für diesen Bereich anzueignen. Um evtl. Wissenslücken zu schießen.

Nun saß ich wie ein Kaninchen vor der Schlange.

Ich konnte ihm so viel erzählen, wie ich wollte. Auf jede meiner Fragen kam keine Antwort, sondern eine Geschichte aus seinem letzten Jahrzehnt beim großen T. Anstelle von Kosten und Zeitangaben erzählte er mir von seinen mehr oder weniger großen Heldentaten. Er zeigte mir große Metallkisten. Die passenden Schränke dazu und welche Geschichten er damit schon erlebt hatte.

Als ich im Laufe der Zeit eine zweite Person in den Tiefen dieses Büros entdeckte, stürzte ich mich auf sie. Eine wirklich sehr sympathische Frau, die mich auf Abhieb verstand. Was zuerst mit einem Gespräch über Fußball begann, ging recht zügig in ein fachbezogenes Gespräch zum Thema Telefonanlagen über. Ich war sichtlich begeistert. Vollkommen selbstlos nahm sie sich Zeit für mich. Beantwortete mir meine Fragen und gab wirklich hilfreiche Tipps, während Herr B. alles aus sicherer Entfernung beobachtete.

Vielleicht hatte mein Kollege recht, als er mir erzählte, ich solle mich auf keinen Fall zu sehr rausputzen. Er sagte, es würde den netten Mann nur verwirren, wenn plötzlich eine recht ansprechend gekleidete und dazu sehr quirlige Blondine sein Büro stürmen würde. Ich glaubte ihm nicht. Doch im nachhinein muss ich sagen, das ich so schell nicht mehr an seinen Worten zweifeln werde.

Bevor ich mich dankend verabschiedete, drückte mir die nette Frau einen Ordner in die Hand, den sie von ihren Schreibtisch zog. Es sei eine genaue Anleitung zur Montage meines Vorhabens. Sowohl auf Papier als auch in Digitaler Form. Mit einem Strahlen in meinem Gesicht bedankte ich mich zum achten Mal. Anstelle von CTI werde ich mich nun mit Cordless an einer T-Octopus F beschäftigen. Es ist schön zu erfahren, das es noch so hilfsbereite Menschen gibt.

2 Comments:

At 19. Januar 2007 um 09:12, Blogger Man in Metropolis said...

Es gibt nichts schlimmeres im Beruf als Männer die sich in ihrer Arbeit von einer hübschen Frau ablenken lassen.

Einfach nicht zu gebrauchen.

 
At 19. Januar 2007 um 21:18, Blogger Melli said...

@MiM

Das klingt fast ein wenig danach, als würdest Du aus Erfahrung sprechen *schmunzel* ;)

 

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