Sonntag, November 19, 2006

Im Takt der Musik

Entspannt saß ich an der Bar. Genoss meinen Drink und ließ meine Gedanken mit der lauten Musik verschmelzen. Ich möchte nicht sagen, dass das Nachtleben an einem Mittwoch spannender oder prickelnder ausfällt als das der gewohnten Wochenenden. Es ist anders. Die Menschen sehen anders aus.

Meine Aufmerksamkeit galt der kleinen Tanzfläche. Meine Blicke wurden gefangen von einem jungen Mann, der mir sofort aufgrund seines ausgefallenen Modegeschmacks ins Auge gefallen war.

Er verstand es, seine herausragende Größe durch ein Shirt zu betonen, dass einen riesigen Basketball als Aufdruck trug. Außerordentlich geschmacklos. Keine Oldenburger Diskothek würde ihm Zutritt gewähren. Hier hingegen spielte es keine Rolle.

Es war spannend mit anzusehen, wie er sich mehr oder weniger zum Takt der Musik bewegte. Sich weiblichen Dorfschönheiten nährte, die ihm zu verstehen gaben, dass er fehl am Platz war. Doch er verstand es nicht. Ein lüsterner Blick folgte dem nächsten in Richtung der beiden Mädchen mit dem langen Haar.

Ich schätze ihn auf Anfang 20. Die Mädchen auf 16, vielleicht sogar jünger.

Nach dem achten Lied kapitulierte er. Noch immer hatten seine Annährungsversuche keinerlei Erfolg gezeigt. Die Mädels lachten ihn aus. Doch er bemerkte es nicht.
Mit gesenktem Kopf verließ er die Tanzfläche und suchte alleine seinen Weg durch die dunkle Nacht.

Ein Blick zu meiner Uhr verriet, dass es schon weit nach 01:00Uhr war.
Lächelnd bestellte ich einen weiteren Drink an der Bar und wendete meine Blicke zurück in Richtung der Tanzfläche.

Wieder hatte sich ein Interessent gefunden. Er war weitaus kleiner als die beiden Mädchen, gut im Futter und trug ein zu enges, weißes Hemd, dass seinem Bauch nicht gerade schmeichelte. Ein Südländer in der Ausführung 40+. Immer auf der jagt nach Frischfleisch.
Forsch nährte er sich den beiden Schönheiten. Tänzelte sich geschickt an seine Opfer und suchte erste Kontakte mit einem breiten Lächeln. Nicht erwidertes Lächeln wurde mit engem Körperkontakt bestraft.

Wäre ich anstelle der Mädchen gewesen, so hätte ich ihm eine gescheuert. Hätte ihm lautstark zu verstehen gegeben, dass er seine schmierigen Handlungen unterlassen solle.

Doch den beiden jungen Frauen schein es zu gefallen. Es dauerte nicht lange, bis sie zu dritt an der Bar saßen und unter engem Körperkontakt den ein oder anderen Drink schlürften.

Für diesen Abend hatte ich genug gesehen.
Kopfschüttelnd verließ ich zusammen mit meiner Begleitung das Abendlokal.
Manchmal kommt es mir so vor, als würde sich die Welt ohne mich drehen.

6 Comments:

At 19. November 2006 um 13:58, Blogger Lenny_und_Karl said...

Nachdem ich 10 Stunden in der vergangenen Nacht hinter einer Theke stand und mehr als genug von diesem Paarungsverhalten beobachten konnte, wird mir grad ein wenig schlecht. Sowas kann schon widerlich sein, find ich.

 
At 20. November 2006 um 08:03, Blogger Man in Metropolis said...

Das schlimme ist einfach, dass der Großteil meiner Spezie absolut stillos ist, ein Benehmen wie ein offene Hose an den Tag legt und überhaupt keinerlei Gefühl dafür hat, wie Mann auf Frau wirkt.

Ich schäme mich stellvertretent für meine Gattung.

Mea culpa. Mea maxima culpa!

 
At 20. November 2006 um 19:35, Blogger Stefan said...

Tja, stillos sein, scheint heute aber beim Großteil absolut gut anzukommen. Ich bemerke sowas ja auch des öfteren ;)

 
At 22. November 2006 um 02:34, Blogger enthevee said...

Männer halt !!!
Bitte nicht für Andere schämen !!!

Gruß En

 
At 23. November 2006 um 20:48, Blogger Lenny_und_Karl said...

@stefan: Du bemerkst das öfter, weil dein stilloses Verhalen ankommt, oder du das beobachtest? :-)

 
At 23. November 2006 um 21:44, Blogger Stefan said...

Ein Schelm, wer böses denkt ;) Als Mann der guten Schule würde ich mich eben nicht stillos ranschmeißen. Vielleicht sollte ich die Nummer aber mal testen... :D

 

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