Samstag, Dezember 22, 2007

Weihnachtsfeier

Langsam schlich ich den endlosen Gang hinunter. Es war so unheimlich still. Nirgends das Geräusch eines Telefons. Kein Radio. Noch nicht einmal die Schritte einer Sekretärin schallten durch die langen Flure. Das war doch nicht immer so. Zu meiner Zeit waren die Flure voll von Geräuschen. Da waren die Telefone, die fluchenden Chefs mit den rauchenden Köpfen und erst die knackigen Fensterputzer und Handwerker. An manchen Tagen herrschte so ein Chaos, dass man den Flur leicht mit einem Wochenmarkt verwechseln konnte. Marktschreier (*1), Hühnchen (*2), Elektrokleinverkäufer (3*)..da war für jeden Geschmack was dabei. Man traf immer auf ein bekanntes Gesicht und hatte die Chance, ein paar Worte loszuwerden. Was ist nur darauf geworden? Wo sind alle hin? (*1 Brüllende Chefs *2 Erklärt sich von selbst *3 gestolperter UPS Mann)

Etwas unsicher setzte ich meinen Weg fort. Ging vorbei an zwei Aufzügen und der Kaffeeküche. Etwas überrascht atmete ich ein. Wo war der Glühweingeruch? Mich trennte nur noch eine Tür von alten Kollegen, bekannten Gesichtern und Unmengen von Punsch. Erahnen ließ sich das jedoch nicht. Angespannt griff ich nach der Türklinke und drückte die Tür auf.

Aber was war das?!! Hinter der Tür versteckte sich nicht das Bild, das ich intuitiv abgespeichert hatte. Der Raum war leer. Und so kalt. Das dort einmal Schreibtische standen, konnte ich mir auf einmal nur noch schwer vorstellen. Keine Tische, keine Stühle. Noch nicht einmal Kabel auf dem Boden deuteten darauf hin, dass dort jemals gearbeitet wurde. Dabei hatten wir hier so eine tolle Zeit.

Melli in bürolicher Weihnachtsstimmung, Winter 2006


Etwas ratlos irrte ich von Büro zu Büro. Es spielte keine Rolle, welches Zimmer ich betrat, die sahen alle gleich aus. Jedes von ihnen war leer, kalt und bis auf den kleinsten Schnipsel aufgeräumt. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Es dauerte eine Weile, bis ich einem Kollegen begegnete, der genau wie ich auf der Suche nach der Weihnachtsfeier war. Kaum zwei Minuten später stellten wir fest, dass der Aufzug defekt war. Herrje..das auch noch. Hat jemand von Euch schon mal in einem defekten Aufzug gesteckt? Ein gruseliges Gefühl, dass irgendwie an einen Horrorfilm erinnert. Nichts bewegt sich, noch nicht mal man selbst. Und es schaut aus, als hätte man wirklich jede Taste gedrückt, die solch ein Aufzug zu bieten hat. Zum Glück konnten wir recht schnell fliehen und „Plan B Aufzug“ benutzen. Wobei ich „Plan B Aufzug“ noch ein wenig unheimlicher finde, als „Plan A Aufzug“. Denn dieser scheint in der Vergangenheit so oft stecken geblieben zu sein, dass eingesperrte Kollegen Dinge an die Wände gemalt haben. Nicht etwa an die Wände des Aufzugs, sondern an die Wände des großen Bürokomplexes. Dieser Aufzug bietet keine eigenen Wände. Wer sich während der Fahrt anlehnt, hat ein wirkliches Problem. Es gibt nur eine Fläche zum stehen, die sich auf Wunsch in einem gigantischen, dunklen Schacht hoch und runter bewegt….sehr abenteuerlich. Von „ich war hier“ Sprüchen, bis hin zu der Strichmännchendame mit den großen Dingern, ist alles dabei.

Auch wenn es etwas dauerte, irgendwann fanden wir die Weihnachtsfeier. War ein toller Abend. Trotz neuer Räumlichkeiten, und leicht ungewohntem Ambiente. Die Jungs hatten einen wirklich tollen Weihnachtsbaum und wunderschöne Deko. Es war toll, die alten Kollegen wieder zu sehen. Zusammen zu essen und über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Auch wenn der alte Standort nicht mehr so ausschaut, wie ich ihn damals verlassen hatte..irgendwie ist doch alles beim alten geblieben. Und das ist echt schön.

1 Comments:

At 22. Dezember 2007 um 18:23, Anonymous Saskia said...

melli, hatte ich dir nicht erzählt, dass die jungs umgezogen sind?
ich wünsche dir schöne weihnachten und viele geschenke! :-)
viele liebe grüße!

 

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