Samstag, Juni 02, 2007

Warten kann so grausam sein

Aufgeregt tippelte ich den langen Bordstein entlang. Ich hasste diese Schuhe. Nicht, weil ich darin nicht laufen konnte. Ganz im Gegenteil. Zu meiner eigenen Verwunderung konnte ich sogar darin Auto fahren. Es war ein Experiment. Und auch wenn ich an manchen Ampeln etwas unbeholfen nach vorne hüpfte, so kam ich sicher an mein Ziel. Dennoch merkte ich recht schnell, dass meine Füße unter der Hitze dahin schmolzen. Wie Schokoriegel, die zu lange zu heißer Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Nur etwas fußiger. Bereits nach der fünften Autofahrtminute wünschte ich mir sehnsüchtig meine Turnschuhe herbei. Doch was änderte dieser Wunsch an der Tatsache, dass ich in kniehohen, schwarz- glänzenden Stiefeln gefangen war?

Ich konnte mir die heiß ersehnte Klimaanlage im Auto noch so sehr wünschen. Es passierte nichts. Anstelle von Abkühlung kam nichts als heiße Luft aus den Lüftungsschächten. Ja..ich hatte die Temperatur auf kalt gestellt. Dennoch verwunderte mich das Ergebnis nicht.

Ich hätte das Fenster herunter fahren können. Doch die Angst, ich könnte hinterher wie ein Mopp aussehen, war zu groß und ließ Abstand von der Versuchung gewinnen. Meine einstündigen Bemühungen, mein Haar zu bändigen, sollten nicht von der einen auf die andere Sekunde zerstört werden. Eine wirklich verrückte Erkenntnis, zumal ich an normalen Tagen nicht so viel zeit mit meinem Haar verbringe. Das morgendliche Ritual beginnt mit Schimpfen und endet mit dem griff zum Glätteisen. Im Extremfall dauert dieser Kampf eine halbe Stunde.

Umso länger ich diesen Bordstein entlang tippelte, desto aufdringlicher erschienen mir die Blicke fremder Männer. Was machte ich hier überhaupt? War dort schon immer ein Media Markt? Und warum um alles in der Welt hatte ich so weit von meinem Ziel entfernt geparkt? Keine dieser Fragen konnte mich aus meiner Situation befreien. Dennoch sorgten sie für ein wenig Ablenkung vor möchtegern Machos in der südländischen Ausführung, die in Schrittgeschwindigkeit an mir vorbeifuhren und ihre „schönste“ Musik in voller Lautstärke präsentierten. Ich hasse solche Typen. Ob es dort draußen wirklich Herren gibt, die noch nie eine blonde Lady in einem Röckchen gesehen haben?

Nach gefühlten zehn Minuten erreichte ich endlich mein Ziel. Es war unheimlich heiß. Dennoch trat ich mutig an einen der zahlreichen Tresen und sprach eine der überaus attraktiven Verkäuferinnen an. Ein wirklich seltsames Gefühl, zumal ich von der ersten Sekunde an von einem Gefühl geplagt wurde, dass weder positiv noch negativ wirkte. Alleine zwischen diesen Damen fühlte ich mich irgendwie ein wenig verloren. Sie schienen alle so bildhübsch und bezaubernd. Jede von ihnen hätte anstelle von diesem Job genauso gut für Bademode werben können.

Ich versuchte das Beste aus der Situation heraus zu schlagen. Versuchte die Wartezeit durch Smalltalk zu überbrücken. Eine schlechte Idee. Es dauerte keine fünf Minuten, bis ich von einem älteren Herrn in einem grau karierten Hemd angesprochen wurde, der ein Telefon von mir kaufen wollte. Mit mehr als einem Fragezeichen über dem Kopf reichte ich ihn an eine der Modepüppchen weiter und schlenderte unauffällig durch die großen Räume. Warten kann so grausam sein. Ich hinterließ in gerade mal fünf Minuten Fingerabdrücke an 8 Flyern, 3 Prospekten und einer Freisprechanlage für den Rückspiegel. Seit drei Jahren arbeite ich nun schon in der Kommunikationsbranche und habe noch nie etwas von Rufnummer anzeigenden Rückspiegeln gehört. Also wenn das nicht verrückt ist…

Mir reichlich Verspätung kam schließlich eine ältere Dame auf mich zu. Ich kannte sie nicht. Dennoch reichte sie mir höflich die Hand und begrüßte mich mit meinem Namen. Das sie Spongebob und Patrick in ihrem Büro stehen hatte, machte sie auf eine sonderliche Art und Weise sympathisch. Wir redeten eine ganze Stunde… dennoch wurde ich auf ein Telefonat verwiesen. Ich hasse es zu warten. Dennoch ist es jedes Mal mit einem leichten Nervenkitzel verbunden.

2 Comments:

At 3. Juni 2007 um 05:07, Anonymous le said...

Dafuer wuerde die Bademodenmodelle aber Anfälle bekommen, wenn Du Ihnen einmal einen Lötkolben reichst :)

Und um gut auszusehen musst du nur daran glauben .. und lächeln.
Den Rest macht die Illusion der Anderen.

 
At 6. Juni 2007 um 22:36, Blogger Melli said...

@le
Interessante Sichtweise.. ich sollte darüber nachdenken ;)

 

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