Freitag, September 22, 2006

Neue Erkenntnisse

Angespannt versuchte ich mich zu konzentrieren.
Es war laut um mich herum.
Zu oft hatte ich das Gefühl schreien zu müssen, um verstanden zu werden. Zu viele Menschen um mich herum. Zu viele Blicke, die die Meinen suchten.

Eigentlich hätte mir dieser Wahnsinn vertraut erscheinen müssen. Nicht zum ersten mal hatte ich mich über Nacht in eine schicke Messedame verwandelt.
Doch dieses Mal war es anders. Eine Überzahl junger Männer, die keine Gelegenheit auslassen wollten, um sich ihre Hörner abzustoßen.

Mein Tag schien beherrscht von billigen Sprüchen und dreisten Anmachen. Ganz zu schweigen von einer Erfindung, die ich als vollkommen unnütz empfinde. Fotohandys.

Wahrscheinlich werde ich nie mehr den Blick meines Kollegen vergessen.
Verzweifelt und voller Angst, als sich eine Horde südländischer Ladys über ihn hermachte. Ihn quasi ausnahm wie ein Suppenhuhn. Welch schlechter Vergleich.
Seine Erleichterung, als ich ihn gerade noch im letzten Moment aus den Fängen der Ladys befreien konnte. Sie wollten nicht ihn. Sie wollten die Güter, die er bewachte. Bonbons, Schlüsselbänder, Shirts.

Ich war geschockt, als ich gezwungen wurde mit anzusehen, wie gierig manche Menschen hinter Cent Artikeln her sind.

Als sich der Tag langsam dem Ende neigte, und ich zusammen mit meinem Kollegen und besten Freund im Garten saß, ließen wir noch einmal den Tag Revue passieren.
Es war ein schönes Gefühl, den Schmerz der Füße mit starkem Kaffee zu überdecken….

Leider hatte dieses koffeinhaltige Getränk keinerlei Einfluss auf das bleibende Bauchgefühl. Es ist traurig mit anzusehen, wie sich die Jugend verändert.
Was einst zu meiner Zeit mit dem eigenen Stil begonnen hatte, endet nun in einer eigenen Sprache, eigenen Umgangsformen und beschämenden Charakterzügen.
Wahrscheinlich deuten meine Erkenntnisse darauf hin, dass ich langsam jedoch unaufhaltsam alt werde. Vielleicht ist es die falsche Bezeichnung.
Nennen wir es erwachsen.

5 Comments:

At 23. September 2006 um 14:19, Blogger Oles wirre Welt said...

Man wird nicht so schnell alt. Obwohl ich das Gefühl nur zu gut kenne. Kaum ist es sechs, sieben Jahre her, dass man sechzehn war, fühlt man sich der neuen Jugend schon fast wieder fremd und sich selbst alt. Aber das täuscht trotzdem. Sag ich mir. Ich fühl mich auch mit 26 noch jung. :) Große Grüße eines Exil-Ostfriesen ins Ammerland.

 
At 23. September 2006 um 15:51, Blogger Man in Metropolis said...

Erwachsen werden... nein.. nein.. wenn man nicht will, wird man nicht erwachsen. Ich wehre mich schon seit über 10 Jahren dagegen... und ich denke es gelingt mit sehr gut...

 
At 23. September 2006 um 16:23, Blogger Melli said...

@Ole

Danke ;) Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist mit diesen Gedanken.
Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn ich dort draußen auf Menschen stoße, die genauso denken wie ich.
Viele Grüße an Dich ;)

 
At 23. September 2006 um 16:26, Blogger Melli said...

@man in Metropolis

Schon lange verfolge ich interessiert Deinen Blog.
Meiner Meinung nach liegt das Geheimnis der Jugend im Kontakt mit dem anderen Geschlecht…
Ich muss schon sagen, dass es Dir recht gut gelingt. ;)

 
At 24. September 2006 um 12:08, Blogger Man in Metropolis said...

Meinst Du wirlich? Das hält jung? Oh weia... dann habe ich ja sozusagen einen Jungbrunnen gefunden :-))

Hurra... Jubel... Freu...

 

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