Donnerstag, Juli 12, 2007

Anzugträger. Aber nicht irgendwelche.

Die Fahrt nach Hannover verlief kniffeliger, als ich es mir vorgestellt hatte. Drei Stunden Busfahrt trennten mich von einer riesigen Kongresshalle und hunderten von Menschen in viel zu teuren Anzügen. Eine Tatsache, die ich erst viel später heraus fand. Da ich von Anfang an recht unsicher war, entschied ich mich für ein extra feines Outfit. Es spielte keine Rolle, was mich dort erwarten würde. Mit einem nagelneuen weißen Kostümchen kann man (öhm..Frau) doch nie etwas verkehrt machen.

Voller Tatendrang stieg ich als eine der Ersten in den extra angemieteten Bus und setzte mich bewusst in eine der hintersten Reihen. Hier würde es mit Sicherheit am einfachsten sein, einen Gesprächspartner für drei Stunden zu finden. Wenn ich schon meine Zeitung vergessen hatte, dann musste wenigstens ein wenig Unterhaltung her. Wie sonst konnte man drei Stunden Autobahn überbrücken? Und wohin sonst setzten sich die kommunikativen und vielleicht auch etwas chaotischen Kollegen, wenn nicht in die letzte Reihe?

Ich hatte mir alles so schön ausgemalt. Doch ausgerechnet am ersten Zwischenstopp, nach gefühlten zwei Minuten, ließen sich drei Herren vor mir, hinter mir und neben mir nieder, die ganz und gar nicht in mein Bild des kommunikativen Kollegen passten. Anzugträger. Aber nicht irgendwelche. Die besonders hochnäsige Sorte mit Krawatte und Jackett Marke knitterfrei und schmutzabweisend. Ich weiß nicht, ob es so etwas in Wirklichkeit gibt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es sich für viel Geld bei Ebay erwerben lässt.

Warum um alles in der Welt setzten sich Herren mit solch einer aktengeformten Aura in die hinterste Reihe eines Busses? Solche Gestalten nehmen doch grundsätzlich vorne Platz. Schon allein aus dem Grund, weil vorne die Luft angenehmer ist. Zwar nicht für mein Empfinden, aber ich kann es mir gut vorstellen.

Drei Stunden können so lang sein. Drei Stunden können nicht einfach nur lang sein, sondern zu einer Ewigkeit mutieren. Drei Stunden lauschte ich den Worten der feinen Herren und versuchte krampfhaft, Anschluss an ein Gespräch zu finden. Aber es klappte nicht. Drei Stunden redete einer der Männer von seiner Tochter. Und alle lauschten gespannt seinen Worten. Alle..außer meiner Wenigkeit.

Umso mehr Zeit verstrich, desto angespannter rutschte ich auf meinem Sitz hin und her. Es musste doch etwas geben, über das ich mich mit den Männern unterhalten könnte. Wenn der Busfahrer doch wenigstens das Radio eingeschaltet hätte…aber noch nicht einmal das gehörte zum Luxus des gehobenen Busfahrens. Herrje…

Das Wetter wäre ein gutes Thema gewesen. Funktioniert immer. Aber in Hinsicht auf das miese Wetter der letzten Wochen wäre das mehr als daneben gegriffen. Musik? Nein. Fernsehen? Nein. Kino? Erst recht nicht. Und was war mit rosafarbenen Krawatten? Oh Gott.. wie tief konnte man eigentlich während einer Busfahrt in die Rückenlehne rutschen?

Ich kann mir nicht erklären wie die drei Stunden vorüber gingen. Doch ich überlebte es und konnte die Roadshow mit all ihren Highlights erleben. Ein wirklich gelungenes Event mit nettem Essen und kleinen Aufmerksamkeiten. Auch wenn ich einem gewissen Herren nicht die Hand schütteln durfte, so war ich mehr als begeistert und hoffe, irgendwann noch einmal dabei sein zu dürfen.

2 Comments:

At 12. Juli 2007 um 22:57, Blogger Man in Metropolis said...

Klingt nach einem echten Highlight, was?

 
At 17. Juli 2007 um 13:33, Blogger Javanoth said...

darum nehm ich immer irgend ein buch mit, damit mich wärend einer fahrt niemand anödet...
da hab ich meine ruhe, und muss nicht krampfhaft irgendwelchen unterhaltungen folgen, die mich in keinster weiße interessieren ;)

 

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