Dienstag, Juli 18, 2006

Vollkommen verzaubert

Ungeduldig riskierte ich erneut einen Blick auf meine blaue Armbanduhr. Wie oft hatte ich in der letzten halben Stunde den langsamen Bewegungen des Zeigers zugeschaut? Ich konnte es nicht mehr an meinen Fingern abzählen. Gefühlte 40 Grad Innentemperatur im Auto ließen jede Sekunde zur Ewigkeit werden. Hätte ich mir doch wenigstens eine Zeitschrift eingepackt.
Auch wenn ich Frauenzeitschriften im Format einer Handtasche fantastisch finde…. Ich habe unheimliche Angst vor diesen Wimpern, die mir bei jedem Aufschlagen der Seiten entgegen springen. Für die Leser die noch nie solch eine Zeitschrift in den Händen hatten; probiert es beim nächsten Supermarktbesuch aus! Ihr werdet überrascht sein… *schmunzel*

Aber wieder zurück zu meiner Geschichte.
Der Grund für meine unendliche Langeweile; Während sich jeder im inneren des Wagens über die doch so herrliche Aussicht freute, blickte ich nur hoffnungslos auf unendliche Brückenbegrenzungen. Vielleicht sollte ich schon jetzt einen Vermerk in meinem Kalender hinterlassen, mir das nächste Mal einen Kindersitz mit ins Auto zu packen.
Doch so blieb mir genug Zeit, noch einmal meine Augen zu schließen um mir in den buntesten Farben auszumalen, was mich in einem Musical erwarten würde.
Ich träumte von durchtrainierten Männer in zu engen Leggins… hach… einfach zum dahin schmelzen.

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Nach vielen neuen Erkenntnissen über Paderborn erreichten wir nach knapp drei Stunden unser Ziel.

Meine Augen begannen zu leuchten, als ich die große Wartehalle betrat. Nicht etwa, weil es dort so schön war…. Ich war am verdursten.
Und wenn ich nun erzähle, dass eine winzige Cola drei Euro… ach ich lasse es lieber, davon zu berichten und komme gleich zu dem Part, der mir seit beginn dieses Blogs auf den Fingerspitzen brennt.

Endlich fand ich mich auf meinem Platz im großen Theatersaal wieder. Leicht kritisch begutäugelte ich die unzähligen bunten Schrammen an der Abgrenzungen zu Bühne. Wir hatten wirklich fantastische Plätze. Nur eine Reihe hinter der ersten Reihe direkt vor den “Schienen”. Wenn einer fallen würde, dann auf uns.

Langsam wurde es dunkler… Stimmen verstummten… Nebel füllte den großen Raum… und da sah ich ihn. Von der einen Sekunde auf die andere fiel meine Kinnlade auf den nur leicht behaarten Kopf meines Vordermannes. Dieser Blick.. Diese Stimme… jeder noch so kleinen Ton, der über seine Lippen ging, wurde sofort von meinen zu Staubsauger mutierten Ohren aufgesaugt und auf dem schnellsten Wege zu meinem Herzen transportiert. Noch nie hat mich eine Stimme derart verzaubert wie die Seine…..
Vielleicht lag es auch an den heißen Temperaturen.. aber ich schmolz auf meinem Sitz dahin, bis nur noch zwei Augen, zwei Staubsauger und zwei Hände zum klatschen übrig waren. Es war einfach unbeschreiblich schön.

Ich könnte Stundenlang von ihm erzählen ohne auch nur einmal seinen süßen Namen zu erwähnen.

Hach. o O (Jamie……….. *schmelz*)

Kaum zu glauben, was Frauen doch für Gefühle für eine alte Dampflok entwickeln können….
Doch leider werde ich mich damit abfinden müssen, dass er für immer eine Dampflok bleiben wird, die einen erste Klasse Wagon mehr liebt als sein eigenes Leben.
Die Welt ist eben doch gemein.

2 Comments:

At 19. Juli 2006 um 11:09, Anonymous Peter said...

Ja, das war schon ein sehr schönes Erlebnis, und ich bin sehr glücklich, dass es Dir so gut gefallen hat.
Und wenn ich ein Zug wäre *schmunzel*, dann wärst Du auch mein 1.Klasse-Wagen und ich hätte Dich G.E.K.U.P.P.E.L.T.!
;-)

 
At 8. Oktober 2006 um 00:33, Blogger Oles wirre Welt said...

Alte Dampfloks können eine Menge Wucht, Elan, Stolz und Reiz entfachen und an den Tag legen. Als alter Kinderzeiteneisenbahnschwärmer weiß ich, wovon ich früher geträumt habe! :) Und schön, wenn man so schwärmen kann, wie Du. Alte Dampfloks streiken aber auch häufiger mal, müsen dauernd gereinigt, gern mal entrostet und aufwändig gepflegt werden... man weiß nie so ganz... bei Dampfloks. :)

 

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