Donnerstag, April 02, 2009

Wie Kamm zu Schnurrbart

Auf den ersten Blick sah ER ganz sympathisch aus. Vielleicht mitte 30, das typische Referent Gesicht mit Brille und Schnurrbart. Ich weiß, dass man Menschen nicht in Schubladen sortieren soll. Aber bei ihm passte es einfach wie Deckel auf Topf. Wie Kamm zu Schnurrbart. Schnurrbart … also um so länger ich dort saß, desto mehr wuchs dieses Ding in meine Richtung. Sagte mir zumindest mein Gefühl. Wie diese klebrigen Fangarme im Urwald, welche in alle Richtungen wuchern. Ich kann Schnurrbärte nicht ausstehen. Warum tragen Männer so etwas? Als Fangarm für Frauen? Also liebe Herren der Schöpfung - so etwas kann man nun wirklich nicht als Potenzverlängerung benutzen.

Aber was bleibt einem übrig, wenn die Ehefrau zu teuer ist und das Geld für den dicken Audi nicht mehr reicht? Ich glaube insgeheim, das dies der einzige Grund ist um sich solch ein Gewuchere im Gesicht wachsen zu lassen.

Eigentlich hatte ich mich auf bunte Pinnwände und Flip Charts gefreut. An meinem Kaffee wollte ich nippen. Immer dann, wenn mich eine leichte Müdigkeit oder unkreativität überkommt. Jetzt hatte ich all dies nicht mehr. Jetzt hatte ich ihn neben mir. Den anstrengendsten Menschen, der mir seit langem begegnet ist. Ich meine, davon gibt es ja viele und man trifft sie überall. In der Bahn, im Bus im Alltag. Aber ER … war einfach nur furchtbar.

Zu allem und jeden musste er sein Kommentar abgeben. Jeder sollte erfahren, was ER doch für ein toller Hengst ist. Das Wort ausreden - ein Fremdwort für ihn. Hemmungslos wurde jeder durch seine lauten Zwischenrufe unterbrochen, der eine eigene Meinung hatte. Am liebsten hätte ich ihm jedes Haar seines Schnurrbartes einzeln ausgezupft. Hab ich natürlich nicht gemacht. Aber ich hätte es machen können. So geladen war ich nach endlosen sieben Stunden auf dem Platz neben ihm. Und ich hatte mich zum Anfang des Seminars noch gefragt, warum er aus einer 100km entfernten Stadt angereist war. Meine Frage hat sich beantwortet. DEN würde ich auch nicht freiwillig in meinem Seminar sitzen haben wollen.

2 Comments:

At 3. April 2009 um 10:28, Blogger Man in Metropolis said...

Herr MiM seinen 3-Tage-Bart dann doch dem vorzieht.

Eine schöne Bezeichnung finde ich auch ´Pornobalken´.

 
At 9. April 2009 um 21:57, Anonymous #5 said...

wie schön und richtig bildlich mit den urwald fangarmen beschrieben. mein kopf ging auf bilderreise und ich konnte mir richtig vorstellen, wie die haare zu wachsen anfingen. zwar leider kein hübscher anblick, aber trotzdem klasse.

 

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